Interview mit Dr. med. Linda Habib (Co-Präsidentin JHaS)

 «Nicht wenige entscheiden sich für den Schritt in die Selbstständigkeit»

Dr. Linda Habib: Momentan ist das Verhältnis eher unausgeglichen, mit deutlich mehr An­geboten als Nachfrage. Hauptsächlich nutzen Haus- und Kinderärztinnen und -ärzte die ­Plattform, um eine Praxisvertretung zu finden. Das entspricht der aktuellen Marktsituation
im hausärztlichen Bereich sehr genau.

Initial war die Dynamik sehr hoch, vor allem bei den angebotenen Stellvertretungen. Mittlerweile hat sich der Markt etwas eingependelt. Wir erhalten jedoch weiterhin regelmässige Anfragen, ungefähr 1–2 pro Woche. Seit dem Start der Plattform konnten 42 Stellvertretungen und 254 Stellenangebote erfasst werden, bei aktuell 246 registrierten Mitgliedern.

Es ist selbstverständlich schwierig, pauschale Aussagen zu treffen. Dennoch zeigen sich gewisse Trends: Viele jüngere Haus- und Kinderärztinnen und -ärzte wünschen sich Teilzeit­arbeit, eine ­Tätigkeit in Gruppenpraxen sowie verlässliche Arbeitszeiten. Besonders wichtig sind ihnen ­zudem der kollegiale Austausch und die Zu­sammenarbeit im Team. Das sind aktuell die zentralen Prioritäten.

Viele möchten zuerst angestellt arbeiten, um in den Beruf einzusteigen, Erfahrung zu sammeln und Sicherheit bezüglich Rahmenbedingungen wie Standort, Team, Tätigkeit und Arbeitsklima zu gewinnen. Im Verlauf entscheiden sich jedoch nicht wenige dafür, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.

Mit «erweitertem Handlungsspielraum» ist gemeint, dass Haus- und Kinderärztinnen und -ärzte ein möglichst breites medizinisches ­Spektrum eigenständig anbieten können – von Ultraschall und kleineren Eingriffen bis hin zu spezifischem Fachwissen etwa in Dermatologie, HNO oder Orthopädie. Zudem umfasst dies ­einen gezielten Kompetenz- und Skill-Shift ­zwischen ärztlichem und nichtärztlichem Fachpersonal, um Ressourcen effizient zu nutzen. Neue Rollen, Funktionen und Subspezialisierungen sollen die Attraktivität der praxisambulanten Grundversorgung stärken und eine qualitativ hochwertige, wohnortsnahe Versorgung langfristig sichern.

Sie haben diesen Beruf sehr wahrscheinlich aus Überzeugung und Freude gewählt. Ich möchte Sie ermutigen, diese Leidenschaft – und die ­vielfältigen Möglichkeiten, die der Fachbereich bietet – an die jüngere Generation weiterzu­geben. Studien zeigen, dass Studentinnen und Assistenzärztinnen und -ärzte sich häufiger für die Hausarztmedizin entscheiden, nachdem sie eine gute Erfahrung als Praktikant oder Praxis­assistent gemacht haben. Ich würde die Basler Ärztinnen und Ärzte daher wärmstens empfehlen, sich als Lehrärztinnen und Lehrärzte zu ­engagieren und ihr Know-how weiterzugeben.

Die Fragen stellte Bernhard Stricker, Mitglied Redaktion Synapse

Junge Haus- und Kinderärztinnen und -ärzte Schweiz (JHaS)

Der 2009 gegründete Verein Junge Haus- und Kinderärztinnen und -ärzte Schweiz (JHaS) zählt heute mehr als 2000 Mitglieder aus der ganzen Schweiz. Er richtet sich vor allem an junge Haus- und Kinderärztinnen und -ärzte in der Weiterbildung ­sowie an neu nieder­gelassene Haus- und ­Kinderärztinnen und ärzte. Sein Hauptziel ist es, jungen Grundversorger die Möglichkeit zu geben, sich zu treffen und ihre Erfahrungen auszu­tauschen. Ihr Jahreskongress findet am 24. und 25. April 2026 in Freiburg statt und versammelt mehr als 500 junge Ärztinnen und Ärzte.

Jobbörse der JHaS

Der Interviewpartner:

Dr. med. Linda Habib

Co-Präsidentin des Vereins Junge Haus- und Kinderärztinnen und -ärzte Schweiz (JHaS).