Praxisnachfolge aus Sicht eines Ärztenetzes

Das Ärztenetz mediX nordwest ist eine AG im Besitz ihrer Partnerärzte und -ärztinnen und engagiert sich im Bereich der koordinierten Patientenversorgung.

Der sich abzeichnende Mangel an Hausärztinnen und Hausärzten trifft die Trägerorganisa­tionen der Managed-Care-Verträge zwischen Leistungserbringern und Kostenträgern, die ­Ärztenetze, ganz direkt, sind es doch die Hausärztinnen und Hausärzte, die die notwendige Qualifikation und Erfahrung mitbringen, die es braucht, um in einem zunehmend komplexeren Gesundheitswesen die Patienten und Patientinnen ganzheitlich, kosten- und qualitätsbewusst durch unser Gesundheitswesen zu steuern.

10 Jahre vor der Pensionierung mit der Nachfolgeplanung beginnen

Ärztenetze können versuchen, die Praxisnachfolge und die Neurekrutierung von Mitgliedern zu erleichtern. Ganz grundsätzlich repräsen­tieren unsere Mitglieder selbstständige Firmen, die selber darüber entscheiden, wie sie sich mit ihrer Nachfolgesicherung auseinandersetzen. In erster Linie kann die Netzleitung durch Infor­mationen ihre Mitglieder dafür sensibilisieren – zum Beispiel durch Themenabende –, recht­zeitig, das heisst 10 Jahre vor Pensionierung, sich mit der eigenen Nachfolge zu beschäftigen. Dazu gehört, die Grundvoraussetzungen für eine ­erfolgreiche Praxisnachfolge zu verstehen. Der Struktur- und Arbeitskulturwandel führt dazu, dass die klassische Einzelpraxis hochgradig ­gefährdet ist, keine Nachfolgerin anziehen zu können. Leider sind Praxisübergaben von Alt zu Jung traditionell von vielen Misserfolgen ­gekennzeichnet. Kulturelle Differenzen, über­rissene Geldforderungen, ungenügend klare ­Absprachen und fehlende externe Begleitung können Stolpersteine darstellen.

Netze können beim Strukturwandel insofern helfen, als sie sich bei wichtigen Projekten ­personell (sofern auch hier die Ressourcen vorhanden sind) oder materiell (Kapital, Darlehen) beteiligen.

Indirekt investiert mediX nordwest zusätzlich in die Resilienz der Praxen. Wir fördern die Steigerung der Fähigkeiten im Praxismanagement durch das Angebot und die Subventionierung von Praxisführungskursen, Kursen zum Thema Mitarbeiterrekrutierung als auch die konsequente Förderung unserer nichtärztlichen Mit­arbeiter und Mitarbeiterinnen über deren Ein­bezug in eigenen Qualitätszirkeln und Retraiten. Ein zentrales Element moderner Praxisführung ist der Aufbau und die Retention qualifizierter und topmotivierter Mitarbeitender, die sich mit der Praxis als Mitunternehmer/in identifizieren. Eine derart geführte Praxis hat auch die höhere Wahrscheinlichkeit, Nachfolger anzuziehen.

Selbstredend müssen auch wir als Ärztenetz uns den modernen Organisationsformen und Anstellungsverhältnissen anpassen. Es ist kein ­Hindernis, wenn eine Praxis als AG oder GmbH organisiert ist; auch Kolleginnen und Kollegen in Teilzeitpensen und Angestelltenverhältnissen können in Netze aufgenommen werden. Die einzige Einschränkung, die wir sehen, ist ein Mindestpensum von 50 Prozent. Ungeachtet der Rechtsform der Praxis ist jeder Arzt und jede Ärztin als individuelle Arztpersönlichkeit Mitglied bei mediX nordwest.

Im Hinblick darauf, dass der Übergang vom ­Spital in die Praxis für viele junge Kolleginnen und Kollegen auch durch Nicht-Sichtbarkeit des Hausarztsektors erschwert wird, hat mediX nordwest verschiedene Massnahmen zur besseren Sichtbarkeit des Ärztenetzes bei jungen ­Kollegen und Kolleginnen ergriffen. Wir treten als Sponsor von Kursen für Studierende und ­Assistierende auf unter dem Label mediX ­academy. In Kooperation mit den anderen ­mediX-Netzen schweizweit treten mediX-Netze an verschiedenen Veranstaltungen mit Know-how und Möglichkeiten zum Networking auf. Wir haben auch einen Vertrag mit der Klinik für Innere Medizin am Universitätsspital Basel zur Durchführung einer ständigen Assistentenrotation in einer unserer Praxen abgeschlossen. Hier kann das Ärztenetz eine Stärke als Organisation ausspielen: Viele Praxisassistenzen haben in ihrem Zustandekommen etwas Zufälliges, das Zusammenspiel von Subventionserteilung, Rekrutierung und den bürokratischen Aufwänden wirkt fragil und abschreckend.

Praxisassistenzen sind hilfreich für Nachfolgelösungen

Mit einer fixen Vereinbarung fallen die HR-­Aufwände und Rekrutierungsfragen für die Lehrpraxis weg; sofern es keine kantonalen oder anderweitigen Subventionen ergattern kann, leistet das Ärztenetz auch hier Subven­tionen. Das ­Spital wiederum muss sich nicht ­darum sorgen, dass die zusätzlich rekrutierten Kollegen und Kolleginnen auch wirklich einen Platz haben. Selbstverständlich werden Praxisassistenten, die schon in einer Netzpraxis ar­beiten, auch an die Fortbildungsangebote, so an den Kongress von mediX Schweiz, eingeladen. Bereits aber haben auch Praxen in Eigenregie Kooperationsverträge mit Spitälern, konkret dem KSBL, abgeschlossen, in deren Rahmen ständige Praxisassistenzen durchgeführt werden. Denn es ist klar: Das wirksamste Mittel zur Rekrutierung von Nachfolgern ist die Durchführung von Praxisassistenzen.

Ein Ärztenetz setzt sich in der Regel aktiv mit der Zukunft des Hausarztberufs auseinander. Durch die Beteiligung an bahnbrechenden IT-Weiterentwicklungen (Stichwort: HEUREKA) werden wir unseren Mitgliedern die Möglichkeit bieten, Top-Innovationen im Bereich der Daten-Interoperabilität auch ihren Hausarztmodell-­Patienten und -Patientinnen zukommen zu lassen. Langfristig kann sich dadurch der Aufwand der Praxen, Daten für andere Leistungserbringer (Spital, Apotheke u. a. m.) bereitzustellen, endlich reduzieren. Im Hinblick auf den partiellen Wandel des Berufsbildes des Hausarztes/der Hausärztin unterstützt das Netz auch die eid­genössische Weiterbildung geeigneter MPA zur MPK (med. Praxiskoordinatorin).

Die Mitgliedschaft bei mediX nordwest bietet ­ihren Mitgliedern nicht nur monetäre, sondern vor allem immaterielle Vorteile. Durch die konsequente Förderung von Qualitätsmassnahmen (Zertifizierung, Qualitätszirkel, Guidelinearbeit, gemeinsamer Schweizer Kongress) wird die für die klassische Einzelpraxis drohende intellek­tuelle und soziale Inselbildung verhindert. Die offene Gesprächskultur fördert die Freude am Beruf und bietet Möglichkeiten zum Umgang mit den Problemen der Berufsausübung.

Diese Möglichkeit zum kooperativen Austausch in ­verpflichtenden Anlässen schafft ein Klima der offenen Kommunikation und Partnerschaft, im weitesten Sinne auch der Möglichkeit zur An­lehnung, wie es von den jüngeren Kollegen und Kolleginnen gerade am Anfang ihrer Laufbahn eher gesucht wird. Daher sehen wir als ein höher integriertes Ärztenetz unserer eigenen Zukunft optimistisch entgegen: mediX nordwest ist in den letzten Jahren entgegen dem allgemeinen Trend in der Hausarztmedizin deutlich ge­wachsen.

Dr. med. Xaver Huber

Hausarzt, Geschäftsführer und VR bei mediX nordwest

Dr. med. Anne-Sybill Goetschi

Präsidentin medswissnet, VR bei mediX nordwest