«Spital zuhause» im Kanton Basel-Landschaft – vom Pilotprojekt zum strategisch verankerten Versorgungskonzept

Mit dem Versorgungskonzept «Spital zuhause» gehen der Kanton Basel-Landschaft sowie die Leistungserbringer Kantonsspital Baselland (KSBL) und Klinik Arlesheim neue Wege in der Weiterentwicklung der stationären Grundversorgung. Was 2023 als Pilotprojekt begann, ist heute ein strategisch verankertes Versorgungskonzept.

«Spital zuhause» ist eine akute klinische Dienstleistung. Sie stellt Personal, Ausrüstung, medi­zinische Technologien, Medikamente und kli­nische Kompetenzen, die üblicherweise im Spital verfügbar sind, auch im Zuhause der Patientinnen und Patienten oder in Pflegeheimen bereit. Für ausgewählte Patientinnen und Patienten ersetzt «Spital zuhause» den stationären Spitalaufenthalt. Die Behandlung erfolgt unter denselben Qualitäts- und Sicherheitsstandards wie im Spital. [1]

Von «Hospital at Home» zu «Spital zuhause»

International ist das Versorgungskonzept unter dem Begriff «Hospital at Home» bekannt. Im Kanton Basel-Landschaft wurde die Dienst­leistung jedoch bewusst in «Spital zuhause» umbenannt. Mit der gemeinsamen Positionierung der Leistungserbringer KSBL und Klinik Arlesheim unter dem Namen «Spital zuhause» wird das Versorgungskonzept kantonal einheitlich sichtbar und für Patientinnen und Patienten ­einfacher verstehbar.
An der Klinik Arlesheim wurde das Versorgungskonzept entwickelt und sie bietet «Spital zuhause» seit 2023 an. Das KSBL hat das Angebot 2025 im Laufental pilotiert und führt es seither regulär weiter. Seither wurden mehr als 500 Patientinnen und Patienten spitaläquivalent durch die «Spital zuhause»-Teams der Klinik Arlesheim und des KSBL behandelt.
Die interprofessionellen Teams beider Spitäler bestehen aus Ärztinnen und Ärzten, Pflegefachpersonen sowie Therapeutinnen und Therapeuten. Sie betreuen die Patientinnen und Patienten mehrmals täglich vor Ort. Die Behandlung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit Hausärztinnen und Hausärzten, der Spitex, Alters- und Pflegeheimen sowie weiteren Partnern im Gesundheitswesen. «Spital zuhause» ist damit ein konkretes Beispiel für integrierte Gesundheitsversorgung.

Besonders profitieren vulnerable Gruppen – insbesondere ältere Menschen oder Bewohner von Alters- und Pflegeheimen mit erhöhtem Risiko für Delir, nosokomiale Infektionen oder funktionellen Abbau während eines stationären Auf­enthalts. Aber auch junge Familien oder Alleinerziehende profitieren von der Möglichkeit, eine Akutbehandlung im gewohnten Umfeld zu erhalten.

Die bisherigen Erfahrungen zeigen eine hohe ­Patientenzufriedenheit, eine sehr gute Sicherheitsbilanz sowie eine Verlegungsrate ins Spital von unter 10 Prozent. Die Rückmeldungen von Angehörigen und Fachpersonen sind über­wiegend positiv. [2]

Internationale Studien und Erfahrungen aus der Schweiz zeigen, dass sich die Behandlung im vertrauten Umfeld positiv auf Wohlbefinden, Schlafqualität und den Genesungsverlauf auswirken kann. Gleichzeitig reduziert sich das ­Risiko für spitalbedingte Komplikationen wie schwere Verwirrtheitszustände oder Infektionen.

Teaching session (Simultanübersetzung Englisch -> Rumänisch = Landessprache).

«Spital zuhause» ist ein konkretes Beispiel für integrierte Gesundheitsversorgung.

Politische Verankerung und Finanzierung

Ein wesentlicher Meilenstein war die klare poli­tische Unterstützung im Kanton Basel-Landschaft. «Spital zuhause» entspricht der strate­gischen Stossrichtung der Dezentralisierung und einer patientenzentrierten Grundversorgung. Der Landrat hat im August 2025 10 Millionen Franken aus dem Spitalversorgungsbudget für die Weiterentwicklung und Umsetzung von «Spital zuhause» bewilligt.
Damit wird «Spital zuhause» als langfristige strukturelle Ergänzung der stationären Ver­sorgung im Kanton Basel-Landschaft verankert.

Aktueller Versorgungsstand

Aktuell werden im Kanton Basel-Landschaft rund 10 bis 14 Patientinnen und Patienten gleichzeitig spitaläquivalent zu Hause behandelt.
Das KSBL und die Klinik Arlesheim beabsichtigen noch in diesem Jahr, das Angebot schrittweise weiterzuentwickeln und in ihren jeweiligen Versorgungsgebieten auszubauen. Ziel ist es, noch mehr Patientinnen und Patienten eine sichere, qualitativ hochwertige und wohnortnahe Alternative zum stationären Spitalaufenthalt zu ermöglichen.

Wissenschaftliche Begleitung ab 2026

Nach Abschluss der deskriptiven Evaluation durch die Berner Fachhochschule in den Jahren 2023 und 2024 an der Klinik Arlesheim richtet sich der Blick nun auf eine umfassende Ver­sorgungsforschung. [2] Ab 2026 wird das Versorgungskonzept durch die Universität Zürich wissenschaftlich begleitet. Ziel ist eine syste­matische Analyse auf drei Ebenen:

Mikroebene: Sicherheit, Lebensqualität, Patientenzufriedenheit, Rehospitalisationen, Patientenpfade und gesundheitsbezogene Outcomes.

Mesoebene: Zusammenarbeit der Leistungs­erbringer, Arbeitszufriedenheit der Teams, Koordinationsaufwand und Implementationsqualität.

Makroebene: Kostenentwicklung, Anschluss­kosten (Rehabilitation, Pflegeheim), langfristige Systemeffekte.

Die Analysen basieren auf verknüpften Routinedaten, standardisierten Befragungen sowie ­qualitativen Interviews. Zur Bewertung der Nachhaltigkeit wird das international etablierte RE-AIM-Framework angewendet, das Reichweite, Wirksamkeit, Implementierung und langfristige Aufrechterhaltung berücksichtigt. [3]

Attraktive Arbeits- und Ausbildungsplätze

«Spital zuhause» schafft ein neues berufliches Profil an der Schnittstelle zwischen stationärer und ambulanter Versorgung. Die Tätigkeit erfordert hohe klinische Kompetenz, selbstständige Entscheidungsfähigkeit und interprofessionelle Zusammenarbeit.
Für Pflegefachpersonen und Ärztinnen und Ärzte bietet das Versorgungskonzept hohe ­Autonomie, umfassende Betreuung und Behandlung im sozialen Kontext der Patienten und Patientinnen sowie innovative digitale Arbeits­instrumente. Gerade für Ärztinnen und Ärzte
in Weiterbildung bietet das «Spital zuhause»-Setting die Möglichkeit, in einer stationären ­Versorgung zu Hause einen Einblick in die ambulante Betreuung zu bekommen.

Ziel des Angebotes «Spital zuhause»

Ziel des Angebotes «Spital zuhause» ist es, das Leben kranker Menschen, die auf ein Spital ­angewiesen sind, zu verbessern, indem die ­Spitalkultur dahingehend verändert wird, dass eine Versorgung auf Spitalniveau zu Hause erfolgt.
Damit «Spital zuhause» nachhaltig wirken kann, braucht es die enge Zusammenarbeit aller Be­teiligten in der regionalen Gesundheitsver­sorgung. Im Rahmen der kantonalen Dialog­plattform arbeitet die Arbeitsgruppe «Spital zuhause» daran, die Naht- und Schnittstellen zwischen Spitälern, öffentlicher und privater ­Spitex, Alters- und Pflegeheimen sowie der ­Ärztegesellschaft Baselland transparent zu ­machen und die Zusammenarbeit weiterzu­entwickeln. Ziel ist es, Rollen und Verantwortlichkeiten klar zu definieren und die Prozesse zwischen den unterschiedlichen Leistungserbringern verbindlich zu regeln. So soll eine bestmögliche, stufengerechte Versorgung unsere Patientinnen und Patienten sichergestellt werden.

Perspektive

Mit politischer Unterstützung, wissenschaft­licher Begleitung und schrittweiser Weiterentwicklung ist «Spital zuhause» auf dem Weg, ein integraler Bestandteil der stationären Ver­sorgung zu werden.
Die kommenden Jahre werden zeigen, in welchem Ausmass «Spital zuhause» die Gesundheitsversorgung nachhaltig verändern kann. Die Voraussetzungen im Kanton Basel-Landschaft sind dafür ideal.

Quellen

[1] Aerzteverlag medinfo AG. Hospital at Home. Aerzteverlag medinfo AG; 2024. Accessed September 8, 2025. https://doi.org/10.23785/ARZT.2024.12.005

[2] Das Behandlungsmodell Hospital at Home in der Schweiz. PRAXIS 2025; 114(6), https://doi.org/10.23785/PRAXIS.2025.06.002

[3] Evaluating the public health impact of health promotion interventions: the RE-AIM framework. American Journal of Public Health 89, 1322_1327, https://doi.org/10.2105/AJPH.89.9.1322

Dr. med. Severin Pöchtrager

Leitender Arzt der Abteilung «Spital zuhause» am KSBL