Fremdjahr Psychiatrie: ein Gewinn für die Hausarztmedizin
Wie prägt ein Einsatz in der Psychiatrie angehende Hausärztinnen und Hausärzte? Eine Assistenzärztin und ein Assistenzarzt berichten von ihrer Weiterbildungszeit in der Psychiatrie Baselland in Liestal und zeigen, warum gerade dieses Fremdjahr für ihre spätere Tätigkeit von zentraler Bedeutung ist.
Für Jessica Düblin ist der berufliche Weg klar: Aufgewachsen in Bubendorf und ausgebildet in Basel, befindet sie sich aktuell in der Weiterbildung zur Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und möchte am Ende Hausärztin werden. Dieses Berufsziel habe sich nach und nach herauskristallisiert, erklärt sie: «Mich interessiert nicht nur eine Momentaufnahme, sondern die ganze Geschichte eines Menschen.» Gerade im Spital fehle oft die Zeit für diese Kontinuität. Die Hausarztmedizin hingegen ermögliche eine langfristige Begleitung – fachlich sowie menschlich. Auch die Arbeitsform ist für die angehende Hausärztin entscheidend: «Ich möchte am liebsten in einer Gruppenpraxis arbeiten. Der Austausch im Team und die Möglichkeit, sich gegenseitig fachlich zu unterstützen, finde ich sehr wertvoll.»
Kommunikation als Schlüsselkompetenz
Das Fremdjahr, welches Jessica Düblin momentan in der Psychiatrie Baselland (PBL) absolviert, bringt ihr wichtiges Know-how: «Als Hausärztin ist Kommunikation im Alltag ein zentraler Bestandteil. In der Psychiatrie lernt man, wirklich zuzuhören.» Der direkte Patientenkontakt, das Eingehen auf unterschiedliche Lebensrealitäten und Krankheitsbilder sei im Alltag essenziell, ergänzt sie. In der Alterspsychiatrie der PBL in Liestal schätzt die bald 30-Jährige die Möglichkeit zur Reflexion: «Wenn ein Gespräch mit einem Patienten nicht optimal läuft, kann ich das im Team nachbesprechen und erhalte handfeste Tipps, um mich ständig zu verbessern.» Diese praktische Lernkultur in der PBL hebt sie als grossen Vorteil hervor. Damit bekomme sie neue Sicherheit im Umgang mit unterschiedlichen Patientinnen und Patienten und ihren Krankheitsbildern.
Breite Erfahrung für die Praxis
Auch Justas Suchina sieht in einem psychiatrischen Fremdjahr einen wichtigen Baustein in seiner Weiterbildung zum Hausarzt. Der gebürtige Litauer hat sein Medizinstudium an der Charité in Berlin abgeschlossen und arbeitet heute als Facharzt in einer Hausarztpraxis in Gelterkinden. Die PBL wurde Justas Suchina als interessante Weiterbildungsstätte empfohlen. Deshalb kam er letztes Jahr für acht Monate als Assistenzarzt nach Liestal. In der Privatklinik Sichtere konnte er wichtige Erfahrungen in Bezug auf Gesprächsführung und Krankheitsbilder sammeln: «Mir war früh klar, dass psychiatrische Kenntnisse für die Hausarztmedizin unverzichtbar sind», erklärt er. In der PBL fand er genau das: praxisnahe Einblicke und ein breites Spektrum an Krankheitsbildern. «Ich konnte in meiner Zeit in Liestal mein Wissen gezielt erweitern; insbesondere in der Gesprächsführung und im Umgang mit psychischen Erkrankungen.»
Überraschende Erkenntnisse
Neben fachlichen Kompetenzen nahm der 31-jährige Justas Suchina auch neue Perspektiven mit. Besonders eindrücklich war für ihn der Umgang mit Vorurteilen: «Ich war überrascht, wie stark die Psychiatrie teilweise noch stigmatisiert ist. Selbst bei jungen Patientinnen und Patienten.» Gleichzeitig habe er erlebt, wie schnell sich diese Haltung durch positive Behandlungserfahrungen verändern könne. Auch die Teamarbeit in der Privatklinik der PBL hebt er hervor: «Ich wurde sehr offen aufgenommen. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit war für mich eine grosse Bereicherung.»
Bestätigung der Berufswahl
Für beide Assistenzärzte hat das Fremdjahr in der Psychiatrie ihre berufliche Ausrichtung gefestigt. Justas Suchina sagt, es sei ihm sehr wichtig, seinen zukünftigen Patienten eine umfassende Versorgung gewährleisten zu können: «In der Hausarztpraxis werden häufig Patientinnen und Patienten mit psychischen Erkrankungen behandelt.» Mit dem grossen Erfahrungsschatz aus der Psychiatrie praktiziert er nun als Arzt in Gelterkinden. Für Jessica Düblin bleibt noch Zeit, um weitere Erfahrungen im Psychiatriealltag zu sammeln. «Ich versuche, aus jedem Tag etwas Wertvolles für meine berufliche Zukunft mitzunehmen.»
Joëlle Beeler (Autorin) ist Leiterin Kommunikation und Marketing der Psychiatrie Baselland.

Jessica Düblin
Assistenzärztin in der Psychiatrie Baselland in Liestal

Justas Suchina
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin in einer Hausarztpraxis in Gelterkinden


